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II.2
Der europäische Roman um 1800
 

Michel Delon (Paris) - Helmut Schneider (Bonn)

 

Die französische Revolution und die zeitgenössischen Entwicklungen im Bereich des Druckerei- und Publikationswesens stürzten die alte Gattungshierarchie um. In ganz Europa etablierte sich um 1800 der Roman als dominierende Gattung der Literatur. Dabei ist der Roman zu dieser Zeit noch nicht auf das festgelegt, was der Realismus kanonisieren wird. Die Jahre um 1800 sind eine Zeit formaler Experimente im Roman, die vielfach schon eher ins 20. als lediglich ins 19. Jahrhundert vorausweisen. Die Romane dieser Zeit stehen in einem offenen begrifflichen Spannungsverhältnis zum Begriff des Romantischen, können dabei aber keineswegs pauschal unter einen rückwärtsgewandten kompensationsästhetischen Begriff des Romantischen subsumiert werden. Vielmehr tragen sie dazu bei, dass der Begriff des Romantischen zu einem Gründungsmythos der Europäischen Moderne werden konnte. Bewusstseinsroman, Künstlerroman, Historischer Roman, Fantastischer Roman, exotischer Roman, Bildungsroman, humoristischer Roman (die Liste ließe sich fortsetzen) stecken die Bandbreite narrativer Selbstvergewisserung des europäischen Subjekts im 19. und 20. Jahrhundert ab. Zugleich ist die Zeit um 1800 eine Periode intensiven Austauschs zwischen den europäischen Sprachen in Form von Übersetzungen, Adaptationen und Imitationen. Diese Sektion möchte Kenner verschiedener europäischer Nationalliteraturen zusammenführen, die sich für Gattungspoetik, narrative Techniken und inhaltliche Veränderungen, für Strukturhomologien mit Romanen des 19. und 20. Jahrhunderts, für Übersetzungen und internationale Einflussbildungen, aber auch für mediale Fragen wie die Entwicklung des Bibliotheks- und Publikationswesens interessieren.

 

 

 
 
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XXXI.Romanistentag