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II.6
Reflexe eines Umwelt- und Klimabewusstseins in fiktionalen Texten der Romania Eigentliches und uneigentliches Schreiben zu einem sich verdichtenden globalen Problem
 

Cornelia Klettke (Potsdam) - Georg Maag (Stuttgart)

 

Im Blickpunkt dieser Sektion stehen Phänomene, die im Zeitalter der Globalisierung zunehmend an Bedeutung gewinnen und einen allgemeinen Bewusstseinswandel herbeigeführt haben: die Interdependenz von Klimawandel, Naturkatastrophen, Wetter und die Rolle des Menschen in seiner kritischen Wahrnehmung und Beeinflussung der Umwelt. In den fiktionalen Texten wird der Mensch jenseits seiner naturwissenschaftlichen und technischen Kompetenz im Rahmen seiner vielfältigen Möglichkeiten und Verhaltensweisen beleuchtet, mit denen er der Natur und ihren Kräften begegnet: Intellekt und sinnliche Wahrnehmung, Wissen, Intuition und Imagination, Vernunft und Erfahrung, Instinkt und Trieb, Wille und Begehren, Gefühl und Empfindung, physisches Versagen sowie Wahnhaftigkeit und geistige Verirrung. In diesen Kontext gehören auch die Sensibilität und mutmaßliche Beeinflussung des Menschen durch die Atmosphäre, wie z.B. die Wetterfühligkeit und deren Reflex in literarischen Texten.

Die Darstellung der menschlichen Interaktion mit den Umweltbedingungen ist immer auch ein Spiegel des Erfahrungs- und Wissensstandes der Autoren der jeweiligen Epoche: so der optimistische Impetus früherer Zeitalter gegenüber dem auf die Herrschaft über die Natur abzielenden Forscher- und Entdeckerdrang und die diesbezüglichen Rückschläge, insbesondere der Fortschrittspessimismus des 20. Jahrhunderts sowie das neu wachsende Bewusstsein für die die Menschheit bedrohenden Veränderungen (z.B. Naturkatastrophen, vom Menschen verursachte Umweltschäden wie die Abholzung von Wäldern, Luftverschmutzung, Ausbeutung der Meere, Hungersnöte; Atombombe) bis hin zu apokalyptischen Szenarien im 21. Jahrhundert. Die fiktionale Literatur bietet vielfach nicht nur Reflexe auf die Problematik von Umwelt- und Klimaveränderung, sondern erscheint auch in manchen Ausprägungen in der prophetischen Rolle des Seismographen. Problemstellungen sind u. a. Herrschaft und Überlebenskampf, Erkenntnisdrang und Anthropomorphisierung der Welt und der Natur, Ohnmacht und Selbstüberschätzung, Egoismus, Gier, Vernunft und Verantwortung, Hybris und Grenzüberschreitung der natürlichen Lebensbedingungen, Selbstzerstörung und Apokalypse.

Als Untersuchungsmaterial kommen sowohl wirklichkeitsmimetische Darstellungen (eigentliches Schreiben) in Frage als auch simulakre Schriftarten (uneigentliches Schreiben), die symbolische Kodierungen enthalten und z.B. eine poetologische, ästhetische, mythische, philosophische Valenz besitzen. Die Sektion soll anhand der in den Beiträgen erarbeiteten vielfältigen Sichtweisen eine umfassende und differenzierte Überschau ermöglichen, die als Grundlage für eine Versachlichung der angstbesetzten Problematik dienen kann.
 

 

 
 
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