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III.5
Transatlantische Perspektiven in der Romanistik: Das kulturelle Feld
in der Karibik
 

Liliana Gómez (Columbia University/Berlin) - Gesine Müller (Potsdam)

 

Im Mittelpunkt der Sektion steht die Karibik als „Kaleidoskop kolonialer Strukturen und Dynamiken“, deren facettenreiche und komplexe Kultur- und Gesellschaftsphänomene in der Überlagerung verschiedener europäischer Einflüsse entstanden sind. Von hier aus soll ein Dialog initiiert werden, der es erlaubt über nationale Paradigmen hinweg, die kulturellen Transitionen und Schwellensituationen zwischen Abhängigkeit und Unabhängigkeit der Karibik zu erfassen: von der französischen Revolution mit der Ausrufung der Menschenrechte und ihren unmittelbaren Auswirkungen auf die haitianischen Ereignisse über die Abschaffung der Sklaverei auf der letzten (größten und bedeutendsten) Insel der Karibik, auf Kuba, bis zur staatlichen Unabhängigkeit und einer immer dominanteren US amerikanischen Präsenz, die neue Formen des Kolonialismus in den karibischen Raum hineinträgt und an ihm erprobt. Diese Perspektive eröffnet zugleich die Neuformulierung der Frage nach den imperialen Ablösungen als Modi der Beziehung, der Aushandlung, des Austausches und Wissenstransfers, welche neue Kulturen erzeugen.

An diesen Außenposten der Romania konzentrierte sich die höchste literarische und kulturelle Produktivität mit ihren vielfältigen Zirkulationsprozessen. In den Blick genommen werden die Formationen des kulturellen Feldes, das als theoretischer Begriff das heterogene Gebilde der Karibik im Spannungsfeld von Imperialismus und Kultur beschreibbar macht. Ausgehend von den Verflechtungen zwischen Literaturen, Kulturen und Macht soll das kulturelle Feld vor dem Hintergrund der diskontinuierlichen modernen Nationenbildung bestimmt werden.

Die Karibik als Raum sui generis macht diese Komplexität der imperialen Ablösungen und in Bezug auf andere außereuropäische Einflüsse insbesondere deutlich. Sie zeigt, wie in kulturellen Dokumenten Intertextualität und Hybridisierung in Form etwa von politischen Schriften, literarischen Diskursen, ästhetischen Repräsentationen, geschichtlichen Quellen oder anthropologischen Aufzeichnungen am Werk sind. Die Analyse dieses heterogenen Materials und dessen Zirkulation gibt Aufschluss darüber, wie Ein- und Ausschlusspraktiken, wie etwa die sich gegeneinander verschiebenden Rassenideologien vor dem Hintergrund der herausragenden Bedeutung des Themas der Sklaverei, die Formationen des kulturellen Feldes bestimmen. Dabei wird davon ausgegangen, dass trotz der Asymmetrie des Verhältnisses die kulturelle Produktion in der Karibik nicht als bloße Aneignung europäischer Modelle verstanden werden kann, sondern als ein eigenständiger Schaffensprozess, der die Frage nach der kolonialen bzw. postkolonialen Subjekthaftigkeit auf neue und eigene Weise stellt und zu beantworten sucht. Diese Perspektive ermöglicht es, über die nationalen Historiographien der Karibik hinauszugehen, die dazu neigen, die verschiedenen imperialen Bezüge, den Austausch und den Kontakt innerhalb des karibischen Raumes zwischen seinen Inseln und Festlandküsten zu reduzieren.

Ziel der Sektion ist es, in der wechselseitigen Beziehung zwischen Europa, den Amerikas und der Karibik, dieses kulturelle Feld zu bestimmen. Dabei sollen die deutlich werdenden Horizontverschiebungen für eine interdisziplinäre Perspektive in der romanistischen literatur- und kulturwissenschaftlichen Forschung fruchtbar gemacht werden.
 
 
 
 
Für die Inhalte der einzelnen Sektionsbeschreibungen sind die jeweiligen Sektionsleiter verantwortlich.
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