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I.2
Sprachkontakt, Sprachausbau und Verschriftungsproblematik: Aspekte der Normalisierung von Regionalsprachen in der Romania
 

Sandra Herling (Siegen) - Carolin Patzelt (Bochum)

 

Die Romania zeichnet sich durch die Existenz einer Vielzahl von Regionalsprachen aus. Hierzu zählen zum einen natürlich Sprachen wie das Galizisch, Baskische oder Katalanische in Spanien, das Provenzalische in Frankreich oder das Okzitanische/Piemontesische in Italien. Zum anderen sollen aber auch die romanisch-basierten Kreolsprachen Gegenstand unserer Sektionsarbeit sein. Im Zentrum soll dabei die Diskussion aktueller Versuche stehen, die Existenz romanischer Regionalsprachen durch Normalisierung und Sprachnormierung zu sichern.

Ein Hauptproblem in der Normalisierung von Regionalsprachen stellt häufig das Fehlen einer schriftlichen Norm dar: Die zu verschriftende Ausbausprache verfügt in der Regel noch nicht über eine einheitliche Standardvarietät, die der Verschriftung zugrunde gelegt werden könnte. Wie jedoch soll ein solcher Standard aussehen? Soll er auf einer bereits existierenden Graphie basieren oder soll die Eigenständigkeit der Orthographie im Mittelpunkt stehen? Geht es um ein Streben nach Einheitlichkeit der Schreibung oder um den Ausdruck dialektaler Vielfalt? Das Problem der Verschriftung ist bislang vor allem für die romanisch-basierten Kreolsprachen diskutiert worden, in Zusammenhang mit den Stichwörtern Sprachkontakt und Sprachausbau ist es aber auch mit Blick auf die oben genannten Regionalsprachen von Bedeutung.

In diesem Zusammenhang soll auch die Konzipierung von Wörterbüchern für Regionalsprachen diskutiert werden. Diese Thematik ist in der Vergangenheit bereits verschiedentlich angegangen worden (Luyken (1994), Jerger (2003). Auf dieser Basis bieten sich sicherlich noch vielfältige Ansatzpunkte für eine weitergehende Diskussion an, ebenso wie z.B. bei der Frage nach Übersetzungen in und aus Regionalsprachen als sprachpolitischem Faktor.

Aus diachronischer Sicht lohnt ein Blick auf die schriftlichen Traditionen der Vergangenheit. So war etwa das Sardische im Mittelalter juristische und administrative Sprache, bevor es seinen Rang zunächst ans Katalanische, dann ans Spanische und schließlich ans Italienische verlor. Auch das Okzitanische oder Galizische besaßen schon einmal den Status großer Kultursprachen. Es drängt sich daher die Frage auf, inwiefern frühere Verschriftungen die heute aktuellen Fragen der Kodifizierung beeinflussen.

Neben dem Schwerpunkt der Verschriftung sind auch Beiträge zu anderen Aspekten der Normalisierung von Regionalsprachen willkommen, z.B.: Warum normalisiert man Regionalsprachen? Wie werden sie durch die Sprachpolitik der jeweiligen Länder gefördert? In welchen Bereichen des Lebens haben sie welchen Status? Welche Zukunftsperspektiven lassen sich für bestimmte Regionalsprachen vorhersagen?
 

 

 
 
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