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I.3
Streit um Sprache – zur metasprachlichen Streitkultur in der Romania
 
Dietmar Osthus (Duisburg-Essen) - Christian Schmitt (Bonn)
Judith Visser (Bonn)
 

Sprache ist nicht nur Medium, sondern vielfach auch Objekt öffentlichen wie privaten Streits. Dass Sprache in der öffentlichen Wahrnehmung mehr ist als die Summe ihrer kommunikativen Funktio­nen, ist gerade der Romanistik gut bekannt. Eine Dimension des Streits um Sprache steht im Zu­sammenhang mit der Identität ihrer Sprecher: Schon in der Renaissance wurde mit der questione della lingua oder den franko-italienischen bzw. luso-kastilischen Sprachenrivalitäten nicht nur Sprachliches, sondern auch die Konkurrenz unterschiedlicher Gruppen und Identitäten verbunden. Sprache stiftet und bestärkt Identität(en), Abgrenzungen zwischen Gruppierungen auch innerhalb einer Sprechergemeinschaft manifestieren sich über Sprache. Die Sprachenwahl hat eine eminent politische Dimension, wenn sie etwa im Kontext einer zu verteidigenden exception culturelle steht. Hinter metasprachlichen Auseinandersetzungen können sich umfassendere Konflikte konfessionel­ler oder politischer Natur verbergen. Darüber hinaus kommt es in öffentlich geführten Auseinander­setzungen zu Konkurrenzkämpfen um die angemessene Verwendung bestimmter Schlüsselbegriffe und Schlagwörter, und schließlich gehört die leidenschaftliche Auseinandersetzung um Sprach­richtigkeit und Sprachnorm zum produktiven Inventar neuzeitlicher und zeitgenössischer Streitkul­tur. Die Konflikte zwischen Sprachliebhabern und Sprachwissenschaftlern stehen symptomatisch für die Virulenz des Streits um Sprache in modernen Gesellschaften.

Die Sektion des Romanistentages setzt es sich zum Ziel, verschiedene Formen des Streits um Spra­che komplementär und im Kontrast zu betrachten. Die Geschichte der romanischen Sprachen bietet hier zahlreiche Ansatzpunkte, ähnlich wie lebendige Sprachdebatten in und zwischen romanisch­sprachigen Gemeinschaften der Gegenwart: Wer sind die Akteure im Sprachenstreit? Wie wird über Sprache gestritten? Welche Auslöser haben Streitigkeiten um Sprache? Gibt es typische Streitkon­stellationen z.B. in der metasprachlichen Auseinandersetzung zwischen Laienlinguisten und der Fachwissenschaft? Welche Aussagekraft haben Stereotypen, mit denen eigene und fremde Sprachen bzw. Sprachverwendungen bedacht werden? Welche Rolle kommt den metasprachlichen Disputen innerhalb der sich formierenden modernen Gesellschaften zu? Welche medialen Formen sind für den Streit um Sprache besonders geeignet, und in welchem Rahmen wirkt sich der Medienwandel auf den Streit um Sprache aus? Die Sektion ist offen für Beiträge mit Schwerpunkten in allen romanischen Sprachen, von Kleinsprachen bis zu Nationalsprachen. So­wohl sprachhistorische wie gegenwartsbezogene Fragestellungen können angeschnitten werden.
 

 

   
 
 
Für die Inhalte der einzelnen Sektionsbeschreibungen sind die jeweiligen Sektionsleiter verantwortlich.
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Link zur Podiumsdiskussion "Romanistik und Beruf", moderiert von Prof. Dr. Paul Geyer
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Romanistentag Eröffnungsrede
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Grußwort des Präsidenten des Deutschen
Anglistenverbandes, Prof. Dr. Klaus Stierstorfer, zum Eröffnungsabend des XXXI. Romanistentages in Bonn
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