Die Sektion soll sich mit dem mehrfachen Zusammenhang zwischen verbaler und nominaler Referenz und ihrer morpho-syntaktischen Umsetzung in den romanischen Sprachen befassen. Spätestens seit Vendler (1957) und Davidson (1967) sind wir uns klar darüber, dass Nomina und Verben z.T. den gleichen referenziellen Bedingungen unterliegen (wie z.B. Quantifikation, Modifikation oder anaphorische Bezüge). Und spätestens seit den Beiträgen von Hopper / Thompson (1980) und DeLancey (1982) verstehen wir, dass zwischen den Referenz- und Quantifikationsbedingungen des Verbalausdrucks und denen der Nominalausdrücke, die als Argumente zum Verb auftreten, eine enge Interaktion besteht. Das Zusammenspiel von Individuen- und Prozessreferenz innerhalb der Ereignisdarstellung wurde im Konzept der Transitivität zusammengefasst und als graduierbare Eigenschaft von Ereignissen typologisiert. Danach lässt sich Transitivität über semantische Parameter beschreiben wie Ereignisstruktur (u.a. Aspekt, Aktionsart) auf der Seite des Verbs, und Agentivität, Belebtheit, Definitheit, Spezifizität auf der Seite der Nominalargumente (vgl. u.a. Malchukov 2006).
Das erwähnte Zusammenspiel von Individuen- und Prozessreferenz ist als solches allerdings noch immer nicht hinreichend geklärt. Dabei ist dieses Zusammenspiel der Schlüssel zur Erklärung von unterschiedlichen morpho-syntaktischen Phänomenen in den romanischen Sprachen, wie etwa kognate Objekte (vgl. z.B. frz. rêver un rêve impossible), Partitivausdrücke (vgl. z.B. frz. j'achète du pain - j'en achète), Objektinkorporation, Inkrementalität (vgl. z.B. it. vende libri - vende dei libri - vende i libri), Nullobjekte (vgl. z.B. bras. ptg. Este chapéu eu conheço o menino que estava usando ø), Objektreduplikation (vgl. z.B. arg. sp. lo leí el libro), differentielle Objektmarkierung (vgl. z.B. rum. O caut pe o secretarǎ).
Willkommen sind Beiträge, die sich entweder theoretisch mit dem genannten Zusammenspiel von Individuen- und Prozessreferenz beschäftigen oder konkrete morpho-syntaktische Phänomene in einen oder mehreren romanischen Sprachen unter dieser Perspektive beleuchten.