„Tolle lege“. Die Urszene der Berufung findet sich in den Confessiones von Augustin. Schon hier erscheint die Berufung im Licht der Legende. Der Appell, der am Anfang der Berufung steht, verweist immer schon auf einen Weg, dessen Darstellung nach narrativen Formen verlangt. Vom Mittelalter bis zur Moderne und in allen romanischen Sprachen gibt es eine reiche Literatur, in der Legenden der Berufung erzählt werden. Dabei lassen sich tiefgreifende Zusammenhänge zwischen religiös gebundener und säkularer Erzählung erkennen. Wie erscheinen Ruf und Berufung in der großen mittelalterlichen Legendentradition? Wie wird das Thema in der Moderne aufgenommen, verwandelt und zum Teil ironisch gebrochen? In der Perspektive einer linguistischen Pragmatik könnte die Frage nach der performativen Form des Appells gestellt werden. Augustins Confessiones voraus liegt die Verkündigungsszene des Neuen Testaments, die insbesondere in der Malerei eine große Vielfalt von Darstellungsmöglichkeiten eröffnet hat. Hier kann sich ein Dialog zwischen Kunst- und Literaturwissenschaft anbieten.
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