Die Sektion widmet sich den verschiedenen Aspekten der romanischen Mehrsprachigkeit und ihrer Implementierung in einer multikulturellen und multilingualen europäischen Gesellschaft.
Damit folgt die Thematik in mehrfacher Hinsicht der Prämisse einer Verzahnung verschiedener Wissenschaftszweige innerhalb der Romanistik und integriert darüber hinaus weitere Disziplinen, etwa die Kultur- und Erziehungswissenschaften, die Psychologie und die Neurowissenschaften.
Mehrsprachigkeit hat insbesondere durch die Formulierung der Ziele von Bologna und Lissabon im Rahmen der Förderung der Studierendenmobilität und Beschäftigungsfähigkeit auf dem europäischen oder internationalen Arbeitsmarkt einen neuen Wert erhalten. Es steht außer Frage, dass das Englische als Lingua Franca nicht ausreicht, um eine umfassende Kommunikation zwischen den Europäern zu gewährleisten. Vielmehr ist die Ausbildung einer europäischen Mehrsprachigkeit auch auf europapolitischer Ebene gefordert und legitimiert: Sie entspricht der Strategie der Europäischen Kommission, Fragen der kulturellen und nationalen Identität mit Fragen der Wirtschaft und gesellschaftlichen Problemstellungen in Korrelation zu bringen.
Die Romanistik bietet beste Voraussetzungen für schlüssige Konzepte zur Ausbildung einer den Prinzipien von Bologna folgenden europäischen Mehrsprachigkeit möglichst vieler Europäer. Damit kommt ihr eine Schlüsselrolle auch für die Findung einer gemeinsamen europäischen Identität zu, die die reichhaltigen nationalen Traditionen ebenso wie die mannigfaltigen sprachlichen und kulturellen Werte in sich vereint. Das Konzept „Romanische Mehrsprachigkeit und Interkomprehension“ hat explizit die gesamte Vielfalt der romanischen Sprachen und den damit einhergehenden kulturellen Reichtum im Blick. Die sprachen- und kulturübergreifende Perspektive bietet vielfältige Ansätze für eine im Wortsinne europäische Kulturwissenschaft. Die der Romanistik innewohnende Mehrkulturalität ist als ein konstitutiver Bereich einer neuen Lernkultur nicht nur des Fremdsprachenunterrichts aufzufassen. Sie steht in engem Zusammenhang mit den soziokulturellen Bedingungsfeldern des Spracherwerbs in der heutigen Gesellschaft und stellt einen wichtigen Beitrag zum interkulturellen Lernen dar.
Die Schwerpunkte der Sektion liegen in der Diskussion der pluri- und interdisziplinären Grundlagenforschungen zur romanischen Interkomprehension, der Aspekte der Trans- und Interkulturalität, der transversalen Mehrsprachigkeitsdidaktik und entsprechender multilingualer/multimedialer Lehr-/Lernszenarien, aber auch der Bezüge zur nationalen und europäischen Bildungs- und Sprachenpolitik und von Projekten, die sich der europäischen Mehrsprachigkeit widmen.